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Meine Friedrichstaler Allee


Tag für Tag gehe ich diesen Weg entlang.
Ein stiller Spaziergang, begleitet von Schmetterlingen, die lautlos umherschweben. Zur rechten und zur linken Seite stehen Bäume in voller grüner Pracht.
Rechts entdecke ich Brennnesseln – ihre Blüten, reich an Vitamin C, leuchten im Licht.
Links säumen Sträucher den Weg. 




Ich weiß nicht, ob sie essbar sind oder einfach nur wild wachsen.
Und doch verspüre ich den Impuls, einfach meine Hand auszustrecken, sie leicht zu streifen – und leise Hallo zu sagen.



Die Bäume am Wegesrand, rechts und links,

scheinen sich über den Weg hinweg die Hand zu reichen.

Ihre Äste reichen hinüber zu den Bäumen auf der anderen Seite,

und selbst das Grün und die Blätter,

scheinen miteinander zu kommunizieren.

Ich liebe es, diesen Weg zu gehen –

denn jedes Mal entdecke ich etwas Neues.

Die Grünflächen verändern sich ständig;

manche Sträucher sind schon vertrocknet,



und zu meiner Rechten sehe ich nun Brombeersträucher,

die vor Kurzem noch gar nicht da waren.

Das bedeutet: Irgendwann, wenn ich wieder hier entlanggehe,

werde ich Brombeeren essen können.

Ein weißer Falter fliegt zwischen den Brombeerblüten hin und her –

vielleicht bestäubt er gerade das, was später Frucht wird.


Der Wind rauscht durch die Blätter,

und jedes Mal, wenn ich hier entlanggehe,

ist es ein anderes Naturschauspiel.

Zu Beginn, als die Kastanienbäume noch keine Blätter trugen,

waren nur ihre Knospen zu sehen.

Ich war fasziniert von der Pracht dieser Knospen

und von der majestätischen Ästhetik,

wie sie sich überhaupt erst entwickeln,

bis sie schließlich zu einem glatten Blatt geworden sind.


Der Kastanienbaum, den ich beobachtet habe,

ist nun in seiner vollen Pracht –

doch die Blätter sind mittlerweile völlig vertrocknet.

Ich weiß nicht, ob es an der Trockenheit liegt,

weil es kaum geregnet hat,

oder ob er von irgendwelchem Ungeziefer befallen ist.

Ich kann es gar nicht sagen.

Und das Grün zu meiner rechten und linken Seite

ist zwar immer noch intensiv,

aber es liegt auch sehr viel Vertrocknetes auf dem Boden –

Äste, Blätter, vielleicht vom Sturm heruntergerissen

oder einfach abgefallen, weil sie kaputt waren.


Die Vögel zwitschern natürlich – wie an jedem Tag.

Aber es gibt Tage, an denen ich gefühlt hundert Vögel auf einmal höre.

Heute höre ich nur vereinzelte Zwitschergeräusche,

mal von rechts, mal von links –

als würden sie sich miteinander unterhalten.

Ein Gesangsspiel der Extraklasse.

Ich muss gerade wirklich schmunzeln.

Der eine macht lange, singende Töne,

der andere antwortet mit kurzen, schnellen Lauten.

Was das wohl bedeutet – die Sprache der Vögel?


Ganz instinktiv grüße ich manchmal die Bäume.

Wenn der Wind durch ihre Äste weht

und sich die Blätter leicht vor mir zu verneigen scheinen,

dann verneige ich mich auch.

Oder ich sage: Guten Morgen, wie geht es euch?

Habt ihr gut geschlafen?

Heute ist der Wald besonders ruhig.

Obwohl draußen der Wind um meinen Kopf weht,

ist es hier still – fast geborgen.

Deshalb höre ich die Vögel umso deutlicher.

Ihr Gesang scheint sich zwischen den Bäumen zu verfangen

und füllt den Wald mit leiser Musik.


Ich komme gleich an die Hütte,

die rechts am Wegesrand steht –



oder besser gesagt: ein überdachter Sitzplatz zum Ausruhen.

Sie blitzt nicht gerade vor Sauberkeit,

und sie lädt eigentlich auch nicht wirklich zum Verweilen ein.

Eher wirkt sie wie etwas, an dem man vorbeigeht,

ohne weiter darüber nachzudenken.


Doch an einem Tag setzte ich mich trotzdem.

Einfach aus Neugier.

Ich dachte: Vielleicht gibt es hier doch etwas zu entdecken.

Und tatsächlich – an einem der hölzernen Pfosten

hing ein kleines Schild mit folgendem Wortlaut:



Kommst du, o Mensch, in dies Revier,

vergiss uns nicht, wir leben hier,

sind froh und dankbar, genau wie du,

gibt man uns Frieden und die Ruhe.

Wir bitten dich, sei drauf bedacht,

dir sei der Tag, lass uns die Nacht.

Und wenn die Sonne geht zur Ruhe,

verlass dann den Wald auch du.

Sei morgens nicht zu zeitig hier,

sonst störst du uns und das Revier.

Vorm Dämmern bis zum Morgen,

bis zum frühen Morgen,

da müssen wir für Äsung sorgen.

Gar eng ist unser Paradies,

das uns die Technik übrig ließ.

Lass uns die Dickung,

bleib du auf den Wegen,

so kommst du uns entgegen.


Ein stiller Moment.

Als hätte der Wald selbst gesprochen.

Ich blieb noch einen Augenblick sitzen,

lauschte dem Wind, der durch das Blätterdach strich,

und ging dann langsam weiter –

mit einem neuen, stilleren Blick auf diesen Ort.


Als ich gestern hier entlang spaziert bin,

stand plötzlich ein riesiger LKW mit einem noch größeren Anhänger am Wegrand.

Er hatte einen Kran dabei und lud Baumstämme auf,

die hier wahrscheinlich schon vor Wochen gefällt worden waren.

Es war faszinierend, dem zuzuschauen –

wie präzise, fast elegant dieser massive Greifarm arbeitete.


Ich hatte mein Handy nicht dabei,

deswegen gibt es kein Foto von diesem Moment.

Aber vielleicht ist das auch gut so.

Denn manchmal möchte ich hier einfach nur entlangschlendern,

ohne etwas festzuhalten.

Einfach nur da sein.


Winke Winke und bis bald


Eure Nadia 🌿 


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